Kaum 350 Stunden investiert und schon ist ein 25 Jahre alter Anhänger restauriert.

Mit dem Erwerb der SB-5E D-5761 im Oktober 2001 in Dornsode übernahmen wir auch einen Transportanhänger der eigentlich nur noch als, reif für die Presse,  zu bezeichnen war.

Bis Mitte November drückten wir uns davor die Restaurierung  anzugehen und suchten nach einem geeignetem Hänger bis 3000 Euro für den 16 m Flieger, ohne Erfolg.

Also musste es sein; die Restaurierung erstreckte sich schließlich von Dezember bis in den März 2002,

verschlang 350 Stunden und nicht unerhebliche Materialkosten.

Mit einem erfahrenem Anhängerbauer an der Hand wäre ein Neubau wohl nicht wesentlich aufwendiger geworden...

 

Aufbruch von Dornsode.

Der Hänger lief zwar einwandfrei, der erste Tritt auf die Bremse machte aber deutlich:

Der Auflaufdämpfer ist auch hin !!

Immerhin der letzte Dekra - Bericht nennt den Hänger

„Mängelfrei“.

 

Wir hätten den nach zweitem Augenschein stillgelegt.

die erste genauere Inspektion zeigte schnell:

Das wird ein Stundengrab,

oder doch lieber auf den Schrott schieben ??

 

Ein Gedanke der uns lange und immer wieder Umtrieb.

Zunächst mussten die Edelstahlbleche runter.

An den Verbindungsstellen hat sich in Verbindung mit den 

Alu - Poppnieten wohl ein chemisches Element gebildet.

Der Edelstahl war bis auf Zeitungspapierstärke korrodiert, 

hat also als Opferanode gewirkt.

 

Tausende von Poppnieten wurden ausgebohrt 

bzw. mit dem Meißel abgeschlagen.

Die Bleche sind Runter:

Der Anblick ist schlimmer wie befürchtet, wir waren nahe dran aufzugeben.

Wären die massiven  U-Profil - Laufschienen nicht , 

wäre es wohl längst um die Konstruktion geschehen.

Jetzt galt es zu entlacken und zu entrosten.

 

Die unzähligen Löcher der Poppnieten erlaubten  eine einfache Prüfung der noch vorhandenen Materialstärke.

 

Die Rohrstücke mit deutlich reduzierter Wandstärke wurden ersetzt.

 

Nahezu 60 m Schwarzrohr wurden ersetzt und auch eine komplett neue einteilige Tür gebaut die dem Aufbau zusätzliche Torsionssteifigkeit gibt.

Nach der Grundierung mit Acryl -Rostschutzgrundierung (Classic von OBI) und Lackierung der Konstruktion, mit Ausnahme der Klebeflächen ,sah der Waggonbau schon wieder vertrauenserweckend stabil aus.

 

Die grün eingeschlagene Rolle im Hintergrund ist von Pecolit  

( www.Pecolit.com)  und 1500 mm breit.

Ein 2mm starkes Opal Weiß eingefärbtes GFK-Material mit einer hochglänzenden Außen- (RAL 9010) und einer angeschliffenen Innenseite.

Die Reste-Rolle enthält ca. 45m davon

 

Das Pecolit lässt sich mit „guten“ Sägeblättern via Stichsäge bearbeiten.

Blätter für den Parket schnitt verhindern übermäßiges ausbrechen.

Wichtig - nur beste standfeste Blattqualität verwenden.

Wir haben die 4 Bahnen grob vorgeschnitten und dann 1-4 Wochen Flachliegen lassen.

Das Pecolit kostet um die 23 Euro/qm , wir konnten uns  einen Restposten für unter 10 Euro/qm abholen.

Das Material ist derart Schlagfest das sich anfängliche Ängste zur „Hagelfestigkeit“ schnell legten.

So ging es Seite für Seite voran:

Geklebt haben wir auf das grundierte Gestell. Direktes Kleben auf dem blanken Metall erschien und wegen befürchteter Korrosion zu gewagt.

Nach etlichen Klebeproben mit   blankem Metall, Grundierung und der Hammerite Lackierung entschieden wir uns schließlich für den Polyuhrethan Klebstoff  „ Kleben und Dichten“ von Elch (Rohdia) den es  z.B. bei OBI gibt.

Der Klebstoff ist UV- und Temperaturbeständig von -40°C bis +80°C

Das Zeug  klebt sogar auf dem siliconhaltigem Hammerite

so sehr das die Klebeproben nur mit Zerstörungen abgerissen werden konnten.

Das zunächst favorisierte Sica 252 hielt auf dem Hammerite gar nicht, da es den Lack anlöste.  Sica läst sich nur auf 2 K Lacken und unter Verwendung eines Primer verarbeiten.

Die theoretische Zugfestigkeit ist dann aber doppelt so hoch , was aber wesentlich von der Haftung des Primer begrenzt wird und bei der Klebung auf der Grundierung aufgrund der geringeren Haftkraft der Grundierung nichts bringt.

 

Zum Aufbringen des Klebstoffes haben wir zunächst die Bahnen flach aufgelegt und am Kopfende mit Zwingen fixiert. Ein ca. 180mm  PVC Abflussrohr  zwischen Gestell und Pecolit Bahn sorgte für ausreichenden Abstand zum Aufbringen des Klebstoffes. 

Mit 2 Mann dauerte der Klebstoff Auftrag je Seite ca. eine Stunde.

250 Stunden sind um. Unser Cabrio steht schon wieder auf seiner eigenen Achse. Der neue Auflaufdämpfer fehlt noch.

Wenn der Hänger fertig gestellt ist wird er aufgrund der leichteren Beplankung um 150 kg. abgespeckt haben.

Die Dichte des Pecolit Gelcoat beträgt ca. 1400 kg/m³

Endphase, der Deckel ist drauf.

Die Kanten haben wir abgeschnitten, wie hier zu sehen, indem wir das Stichsägeblatt und später die Schruppscheibe an einem Tapezierlineal laufen ließen.

Die Gestellkanten haben wir schließlich noch mit Klebstoff ausgespritzt und sogenannte Hohlkehlen ausgeformt.

Das erhöht beträchtlich die effektive Klebefläche und dämpf die Flatterneigung des Beplankungsmaterials.

 

Insgesamt haben wir 30 Kartuschen je. 300ml von dem Klebstoff verbraucht.

 

Ursprünglich wollten wir Druckluft betriebene Spritzen verwenden. Die Konsistenz des Klebstoffes erlaubte aber die problemlose Verarbeitung in üblichen Handspritzen.

Es ist so weit, alle Einbauten sind wieder drin und unsere SB-5 kann in der Saison auf  Strecke.

Wieder an Bord.

Kleinigkeiten wie eine Werkzeugbox fehlen noch.

Der Anhänger ist jetzt  erfreulich hell und das fürchterliche Poltern der ehemaligen Blech Beplankung ist auch Geschichte.

Die ehemaligen Stahlkotflügel haben wir gegen solche aus Kunststoff ersetzt.

Die gibt es bei Stedele (Onlineshop) 

 

Die TÜV Vorführung ergab diesmal berechtigt:

„keine Mängel“

Die SB- 5 wieder sicher verstaut:

Das aufrüsten mit der alten Pfeifer Konstruktion ist allerdings Bandscheiben mordend da die Fläche mit der schweren Wurzel zuerst raus muss.

Ein gute Aufrüsthilfe ist da ein Segen.

 

In Summe haben wir über 350 Stunden in die Restaurierung des Anhängers versenkt.

 

Das Beplankungsmaterial von Pecolit kostete gut 720 Euro. Der Klebstoff  um die 240 Euro, der Auflaufdämpfer 90 und die Radkappen 52 Euro .

In der Summe nicht unerheblich, aber deutlich preiswerter wie ein guter Gebrauchter.

Nur die Zeit darf'ste halt nicht rechnen .

 

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